Die Festtage sind eine wunderbare Zeit voller Genuss – reichhaltige Mahlzeiten, süsse Leckereien, festliche Menüs und gemütliche Abende mit Familie und Freunden. Gerade in dieser besonderen Jahreszeit gönnt man sich gern das eine oder andere Extra, und das darf auch so sein. Dennoch kann es sinnvoll sein, in dieser Zeit einen kleinen Blick auf unsere Herzgesundheit und insbesondere auf das Cholesterin zu werfen. Viele fragen sich: Wie viel „Festtagsgenuss“ ist eigentlich unproblematisch? Und was bedeutet ein erhöhter Cholesterinwert wirklich?
Damit diese genussvolle Weihnachtszeit entspannt bleibt und Sie gut informiert ins neue Jahr starten können, beleuchten wir das Thema Cholesterin ganzheitlich: Was ist es eigentlich? Wofür brauchen wir es? Und wann wird es zu viel?
Cholesterin – gefährlicher Stoff oder wichtiger Baustoff im Körper?
Cholesterin ist in aller Munde – wortwörtlich und sprichwörtlich. Kaum ein Blutwert sorgt für so viel Verunsicherung wie dieser Wert/Begriff. Doch ist Cholesterin wirklich ein „böser“ Stoff, der uns krank macht, oder doch eher ein lebenswichtiger Bestandteil unseres Körpers?
Was ist Cholesterin – und wofür brauchen wir es?
Cholesterin ist ein fettähnlicher Stoff, der in jeder einzelnen Körperzelle vorkommt. Etwa 70–80 % stellt der Körper selbst her – nur ein kleiner Teil stammt aus der Nahrung.
Wofür braucht unser Körper Cholesterin?
Cholesterin wird vor allem
- als Baustein der Zellmembranen
- für die Bildung von Hormonen (z. B. Testosteron, Östrogen, Cortisol)
- für die Produktion von Gallensäuren zur Fettverdauung und
- für die Herstellung von Vitamin D
eingesetzt.
Cholesterin ist also lebensnotwendig. Erst bei einem Zuviel kann es zum Risiko werden. Zunächst einmal gilt es zu unterscheiden zwischen dem HDL-Wert, also High Density Lipoproteinen oder im Volksmund „dem guten Cholesterin“ und dem LDL-Wert, den Low Densitiy Lipoproteinen oder dem „schlechten Cholesterin. Diese Lipoproteine sind Transportstoffe im Blut, die Cholesterin (Fett) zu und von den Zellen bringen.
LDL transportiert Cholesterin von der Leber in den Körper und das HDL transportiert überschüssiges Cholesterin zurück zur Leber, wo es abgebaut wird. Das LDL hat, im Gegensatz zum HDL, weniger Bindungsstellen und bewegt sich auch langsamer im Blut als das HDL. Deshalb kann es im Blut zu Ablagerungen (vor allem an verletzten oder geschwächten Gefässwänden) führen. Es kommt so zur Bildung von Plaques, d.h. die Gefässe werden enger und starrer. Das nennt man Arteriosklerose. Eine solche Plaques kann Aufreissen und daraus können Blutgerinnsel entstehen. Diese können zu einem Herzinfarkt, Schlaganfall oder Beinarterienverschluss führen.

Aber gemäss Paracelsus: Alles ist Gift und nichts ist Gift – allein die Dosis machts. Wann haben wir zuviel Cholesterin, respektive zu viel vom „schlechten Cholesterin“?
Hohe Cholesterinwerte – wann wird es gefährlich?
Der Gesamtcholesterinwert im Blut sagt noch nicht viel über das Risiko einer Herz-Kreislauferkrankung aus.
Dafür gibt es 2 Berechnungsmöglichkeiten, die die Risikofaktoren, nebst den Cholesterinwerten, mit berücksichtigen:
Risikoquotient
Gesamtcholesterin ÷ HDL-Cholesterin = Risikoquotient aufgrund Ihrer Laborergebnisse
- Unter 3,5 Günstig mmol/L– niedriges Risiko
- 3,5 – 4,5 mmol/L - Mittel – beobachten
- Über 4,5 mmol/L - Erhöht – ärztlich klären
Dieser Wert ist ein guter erster Anhaltspunkt – genauer wird es mit:
Dem SCORE2-Test
Der SCORE2-Rechner zeigt Ihnen, wie hoch Ihr Risiko ist, in den nächsten 10 Jahren eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zu bekommen. Sie brauchen dafür einige Basisdaten:
- Alter
- Geschlecht
- Blutdruck (systolisch)
- LDL- & HDL-Cholesterin (aus dem Blutbild)
- Raucher:in – ja oder nein?
- Diabetes vorhanden – ja oder nein?
So geht’s:
Sie können den Test ganz einfach online machen:
Sie können Ihre Berechnung im Internet vornehmen: Wählen Sie zuerst Ihr Land aus (z. B. Schweiz), da das Risiko regional angepasst wird. Dann geben Sie Ihre Daten ein – und erhalten sofort eine farblich markierte Risiko-Einschätzung (von „sehr niedrig“ bis „hoch“).
Tipp: Haben Sie Ihre Laborwerte zur Hand (z. B. aus dem letzten Check-up), dann dauert der Test nur 2 Minuten!
Wenn Sie bei diesen spezifischeren Berechnungen einen erhöhten Wert ausweisen stellt sich grundsätzlich die Frage, ob ich die Cholesterin-Werte auch natürlich senken kann resp. ob ich selber etwas dazu beitragen kann, den Wert zu senken.
Cholesterin natürlich senken – geht das?
Ja – und das oft ganz ohne Medikamente! Die Naturheilkunde bietet sanfte Wege zur Regulierung:
Ernährung
- Haferkleie & Flohsamenschalen – senken LDL
- Omega-3-Fettsäuren – aus Leinöl, Walnüssen, fettem Fisch erhöhen den HDL Wert
- Pflanzensterine – z. B. in Nüssen, Avocado, Gemüse ersetzen das Cholesterin
- Weniger tierische Fette – mehr pflanzliche Öle erhöhen das HDL
Lebensstil
- 30 Minuten Bewegung täglich leicht ins Schwitzen kommen, damit Sie sich im Fettverbrennungsmodus befinden. Das lässt sich z.B. umsetzen, indem Sie auf Ihrem Weg zur Arbeit 3 Haltestellen vorher aussteigen und ins Geschäft laufen, wennn Sie die öV benutzen etc. etc. Werden Sie kreativ.
- Stressabbau durch Yoga, Atemübungen, Spaziergänge. Stress begünstigt die Adrenalinausschüttung. Adrenalin blockiert die Stoffwechselvorgänge und somit auch eine effiziente Fettverdauung.
- Gewichtsreduktion – bereits 5–10 % weniger Gewicht (bei einem BMI von über 25) können Cholesterin senken, begrenzen Sie dabei Zucker, verarbeitete Lebensmittel und tierische Fette.
Naturheilkundliche Mittel
- Artischocke – regt Cholesterinausscheidung an
- Mariendistel (Dragées) – stärkt die Leber
- Knoblauch – senkt Blutfette & wirkt gefäßschützend
- Rotes Reismehl – natürlicher „Statin-Effekt“ (kann als Lebensmittel in Reformhäusern gekauft werden)
- Löwenzahn – unterstützt den Fettstoffwechsel als Bitterstoff
Hinweis: Bitte besprechen Sie die Anwendung pflanzlicher Mittel bei chronischen Erkrankungen oder Medikamenteneinnahme immer mit einer Fachperson (HeilpraktikerIn).
Fazit
Cholesterin ist kein Feind – sondern ein lebenswichtiger Bestandteil unseres Körpers. Erst ein Ungleichgewicht und weitere Risikofaktoren machen es zum Problem. Mit dem Risikoquotient und dem SCORE2-Test können Sie Ihr persönliches Risiko einfach selbst prüfen – und mit gezielten Maßnahmen eigenverantwortlich gegensteuern (bei zu hohen Werten allerdings mit laufender Überwachung durch Ihren Arzt). Ihr Herz wird es Ihnen danken!
Text: Janine Sigrist, dipl. Heilpraktikerin mit eidg. Diplom in TCM
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